PresseClubBraunschweig
 
Henning Noske, der Lokalchef der BZ, stellte am 6. Oktober vor dem Presseclub Braunschweig sein neues Buch »Online-Journalismus – Was man wissen und können muss« vor. Ob Online oder Print, in beiden Bereichen geht es in erster Linie um die Qualität der Recherche, um Verständlichkeit und um Sorgfalt, ist Noske überzeugt. »Diese drei Bausteine eines guten Journalismus sind zeitlos gültig. Online und Print sind zwei Klaviaturen für dieselbe Musik.« Gleichwohl gehe es für Verlagshäuser und Medien, die sich fit für die Zukunft machen wollen, um schwierige Entscheidungen. Henning Noske: »Einerseits ist immer noch unklar, aber zunehmend fraglich, ob die klassischen Erlösmodelle der Vergangenheit auch auf den Online-Journalismus übertragbar sind. Gleichzeitig brandet aber schon die neue Konkurrenz heran.«

Der mit mehreren Journalistenpreisen ausgezeichnete Leiter der Lokalredaktion der Braunschweiger Zeitung sprach im Presseclub ausdrücklich für sich als Autor, der den Wandel seiner Branche intensiv beobachtet. Seit 1991 hätten die deutschen Tageszeitungen 40 Prozent ihrer Auflage verloren. Zwischen 2000 und 2012 habe sich der Nettowerbeumsatz der Zeitungen halbiert. Und auch andere Fakten müssen nach den Worten von Henning Noske zur Kenntnis genommen werden: »Bei den 14- bis 49-Jährigen ist das Internet heute schon wichtiger als die gedruckte Zeitung.« Jugendliche und junge Erwachsene seien nun mal den ganzen Tag mit dem Smartphone unterwegs und daher eine ideale Zielgruppe für Online-Journalismus. Das Durchschnittsalter der Print-Abonnenten habe hingegen die 50 überschritten.

»Online first«

»Wir bekommen diesen Geist nicht mehr in die Flasche zurück«, ist Noske, der mit 56 Jahren selbst kein Digital Native ist, überzeugt. Online-Medien würden wie Pilze aus dem Boden schießen. Andererseits verfüge die gedruckte Tageszeitung immer noch über eine enorme Power. Ihre Zukunft hänge aber entscheidend davon ab, ob es ihr gelingt, jetzt auf Ballhöhe zu bleiben.

Der Print-Journalismus stehe in der Hierarchie der Zeitungsverlage zwar immer noch ganz oben. Es gebe aber Tageszeitungen wie den »Nordbayerischen Kurier« in Bayreuth oder die Tageszeitung »Die Welt«, die diese Hierarchie bereits umgedreht hätten. Auch die Braunschweiger Zeitung arbeite unter Chefredakteur Armin Maus nach dem Prinzip »Online first«. Das bedeutet, dass die Online-Aktualität der Printproduktion konsequent vorgeschaltet wird. Mit Erfolg: Mit der Kombination von Print und Online habe die BZ inzwischen eine größere Reichweite als vor dem Umbruch.

Bei vielen Pressehäusern, Medienhäusern und Verlagshäusern stehe zwar immer noch in großen Lettern der Name der Zeitung im Vordergrund, inzwischen befänden sich unter dem Dach dieser Häuser viele weitere Medien wie Magazine, Radio und Fernsehen. »Crossmedia« sei das Gebot der Stunde, ein attraktiver Mix, der sich zu einem völlig neuen Journalismus entwickele.

»Perspektivwechsel der Journalisten«

Der Online-Journalismus erfordere eine vollkommen andere Herangehensweise und einen Perspektivwechsel der Journalisten. »Es ist erforderlich, viel schneller auf den Punkt zu kommen.« Texte müssten ständig Informationen, Schlüsselbegriffe und Lesewert bieten, dürften keine Schwäche zeigen und sich keine Blöße geben. Sonst sei der Leser blitzschnell weg. Noske: »Die Schreibe muss also noch besser, noch zupackender, noch direkter, aufmerksamer und attraktiver werden. Es ist tatsächlich eine neue Schreibe.«

»Facebook und Twitter als perfekte Quelle«

Auch die neuen Möglichkeiten von Multimedia sowie der Sozialen Netze würden die bisherigen Regeln in der Redaktion mehr und mehr in Frage stellen. Facebook und Twitter etwa böten reichhaltige Chancen für die journalistische Recherche. Für anstehende journalistische Projekte seien die vielfältigen Möglichkeiten eine perfekte Quelle.

Mit dem bisherigen Arbeits-Rhythmus in der Print-Redaktion und Tarif-Arbeitszeiten werde es freilich schwierig, »rund um die Uhr zu produzieren, ständig zu aktualisieren, immer ›populärer‹ zu werden, interaktiv zu sein.«

Henning Noske berichtete vor dem Presseclub über repräsentative Lesewert-Untersuchungen bei Regionalzeitungen. Dabei habe sich gezeigt, dass die Lokalberichterstattung besonders stark abschneide. »Es gibt deutliche Signale, dass viele Attraktivitätskriterien in Print und Online absolut identisch sind: direkte Betroffenheit, Emotionalität, Personalisierung«, freut sich Noske. Und es gibt noch mehr Parallelen: »Von einem starken Thema können Leser bzw. User nie genug bekommen.« (Bereits 2012 hat er sein erstes Buch »Journalismus – Was man wissen und können muss« veröffentlicht. Es ist inzwischen in zweiter Auflage erschienen.) jh
Beitrag von Admin PresseClub  /  21. Oktober 2015  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei presseclub-braunschweig.de / © PresseClubBraunschweig