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Andreas Mier, Sven Gösmann, Claudia Gorille (Foto: Jörg Scheibe)
 
Als er an seiner alten Schule vorbeikam, musste Sven Gösmann grinsen. Martino Katharineum: Erinnerungen ans Abitur, gute Zeiten und alte Freunde. Der Chefredakteur der Deutschen Presseagentur (dpa) begann seine Karriere Anfang der 80er Jahre mit kecken Konzertrezensionen bei der "La Gazette" - einem aufmüpfigen Musikszeneblättchen, hergestellt im Fotokopierverfahren. 1987 wurde es dann professionell: Gösmann begann sein Volontariat bei der Braunschweiger Zeitung. Für einen Tag nun kehrte der Ex-Braunschweiger zurück, um mit dem Presseclub über Journalismus im Zeitalter der Digitalisierung zu diskutieren. Gösmann (48) steht seit Anfang des Jahres an der Spitze der dpa, der größten deutschsprachigen Agentur im Lande. "Die komplette Medienlandschaft ist suchend", erklärte Gösmann und verwies auf steigenden Druck durchs Internet. Ziel der dpa sei es trotz der zunehmenden Geschwindigkeit der Nachrichtenverbreitung, glaubwürdig, seriös und möglichst unbeeinflusst zu sein - anders etwa als manche ausländische Agentur, die vom Staat mit Millionenbeträgen unterstützt werde, um das Bild ihres Landes in der Welt zu verbessern. Gerade erst war die dpa in die Schnelligkeitsfalle getappt und auf einen Fake-Account bei Twitter reingefallen, der vorschnell den Wechsel von Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel zu Ferrari meldete. Einen Tag später war die Ente zur echten Meldung geworden. Der Patzer war Anlass für Gösmann, die Mitarbeiter zu ermahnen: "Gründlichkeit hat immer Vorrang vor Schnelligkeit!" Skepsis sei eine journalistische Kernkompetenz. Von der Braunschweiger Zeitung war Gösmann damals zur Berliner Morgenpost gewechselt. Er arbeitete für "Die Welt" und die "Bild"-Zeitung; 2005 hatte er dem Axel-Springer-Verlag den Rücken gekehrt und war Chefredakteur bei der Rheinischen Post geworden.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Braunschweiger Zeitung, Text: Ann-Claire Richter, Foto: Jörg Scheibe
Beitrag von Ann-Claire Richter  /  15. Dezember 2014  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei presseclub-braunschweig.de / © PresseClubBraunschweig