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Rechtsanwalt Stefan Gille (Fotos von Peter Sierigk, Claudia Gorille)
 
Frage des Anwalts: "Sie stellen neun Fotos von Lebensmittelprodukten, die Sie im Internet runtergeladen haben, auf Ihre eigene online-Seite. Damit haben Sie eine unberechtigte Bildnutzung begangen. In welcher Höhe könnte eine Abmahnung gefordert werden? Angesetzt wird, dass das Bild rund 6 Monate veröffentlicht war." "Genau: 9.000 €!" Es geht in diesem Fall um Verletzung des Urheberrechts. Das hat im Fall des Beispiels der Fotograf, der die Bilder aufgenommen und veröffentlicht hat. Viele Anwalts-Kanzleien sind inzwischen damit beschäftigt, mittels bestimmter Softwares herauszufinden, wer unerlaubt Bildmaterial veröffentlicht.

Fremde Bilder sollte man nie runterladen und dann selber verwenden. Immer muss der Urheber befragt werden. Sollte dieser nicht zu ermitteln sein, sollte man die "Finger von den Bildern lassen", so Stefan Gille, Rechtsanwalt für Medien-, Internet- und Urheberecht. Eine Liste mit Tarifen für Fotos kann man unter: http://www.mittelstandsgemeinschaft-foto-marketing.de/index.html bestellen. Die Tarife berechnen sich nach dem wo, wie, wie lange, in welcher Auflösung usw. die Fotos verwendet werden sollen. Dementsprechend berechnet sich auch eine Abmahnung. "Und da können schon mal schnell bis zu 15.000 € fällig werden", weiß der Anwalt. Eine Abmahnung ist stets verbunden mit einer Unterlassungserklärung, diesen Verstoß nicht mehr zu begehen. Außerdem ist in jedem Fall eine Vertragsstrafe fällig. Reagieren sollte man bei einer Abmahnung immer rechtzeitig vor dem Frist-Ende.

Diese Regelungen gelten in erster Linie für gewerbliche Nutzung. Schwierig ist das Urheberrecht bei facebook - denn eigentlich tritt man dieses an facebook ab, sobald man Mitglied ist. Das geht aber nach deutschem Recht nicht, da behält man das Recht am eigenen Bild / am eigenen Motiv. Wie für Fotos gilt das Urheberrecht auch für Texte, Musik etc. Ein Komponist muss indes bei der GEMA seine Werke anmelden, für die Nutzer später Gebühren an die GEMA bezahlen müssen. Die GEMA wiederum vergibt Lizenzen an Diskotheken, Clubs etc dafür, dass diese die Musik abspielen dürfen. Urheberrechte verfallen in der Regel 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Rechte zur Veröffentlichung - ganz gleich ob Fotos, Texte, Musik – sollte man sich immer schriftlich einräumen lassen. Je konkreter der Fall der Veröffentlichung bezeichnet werden kann desto besser. Presseclipping: Mehrere Presseausschnitte dürfen auf der eigenen, gewerblichen Homepage nicht veröffentlicht werden. Einzelartikel sind bei Einverständnis des Redakteurs erlaubt. Ein kurzer Teaser und dann ein Link zum jeweiligen Medium ist ebenfalls erlaubt. Presseausschnitte dürfen nur über den begrenzten Zeitraum von 7 Tage aufgehoben werden und max. 6 Personen zur Verfügung gestellt werden. Für Vervielfältigung und Verbreitung ist eine angemessene Vergütung zu zahlen.

Ganz "krude" wird die Anwendung des Urheberrechts beim sog. Streaming, da hierbei nur vorübergehend etwas runtergeladen wird. Solange alles für private Zwecke von privaten Seiten ist, darf man "streamen". Der Rest sind viele Tücken im System …
Beitrag von Gisela Noske  /  11. März 2014  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei presseclub-braunschweig.de / © PresseClubBraunschweig