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PresseClub besichtigt restaurierten Kaiserdom Königslutter (Fotos von Jörg Scheibe)
 
Am 20. August lud die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz den Presseclub ein, den für rund 8,2 Millionen Euro restaurierten Dom in Königslutter näher kennenzulernen. Stiftungsdirektor Tobias Henkel und Pressesprecherin Simone Teschner begrüßten die Gruppe. Der wissenschaftliche Leiter, Architekt und Bauhistoriker Dr. Norbert Funke, versuchte die Gäste bei der anschließenden Führung fachlich nicht zu überfordern - was ihm ohne Einschränkungen gelang. Die PresseClub-Mitglieder sogen begeistert alle Informationen und Anekdoten auf. Tobias Henkel ging zunächst auf die grundsätzliche Fragestellung des Denkmalschutzes ein, welchen Zustand aus der Geschichte eines Bauwerks man erhalten bzw. wiederherstellen möchte. Die Entscheidung, im Innenraum die Malereien nach den Entwürfen von August Essenwein Ende des 19. Jahrhunderts zu restaurieren, habe sich als richtig erwiesen. Von Norbert Funke erfuhren die PresseClub-Mitglieder viel über die einzigartige romanische Architektur der Stiftskirche, über den Essenweinschen Historismus, dass im Hauptchor aber auch noch Farbschichten aus dem Mittelalter erhalten sind, dass Kreuzgratgewölbe nördlich der Alpen eher ungewöhnlich sind und Königslutter Vorbild für den Gewölbebau in der ganzen Region war, dass die reich ornamentierten Säulen und Kapitelle im doppelschiffigen Kreuzgang nur ein Hinweis darauf sind, dass der berühmte Bildhauer Nikolaus von Ferrara in Königslutter am Werk war, dass Sockelumlaufportale ein kaiserlicher Merkmal sind, dass neben Kaiser Lothar von Süpplingenburg, seiner Frau Richenza und dem Schwiegersohn Heinrich dem Stolzen (Vater Heinrichs des Löwen) auch ein unbekanntes, etwa zehnjähriges Kind in der kaiserlichen Grabstätte beigesetzt ist und vieles, vieles mehr. Faszinierend auch die spiegelverkehrte Rätselinschrift außen an der Apsis sowie eine in Stein gemeißelte Jagdszene, die viel Raum für Interpretation läßt. Zum Abschluss präsentierte Domkantor Andreas Schulz mit Stücken verschiedener Epochen die Klangbreite der Orgel aus dem 19. Jahrhundert. Und es stimmt: der Ton hallt bis zu acht Sekunden nach. Beim gemeinsamen Abendessen im Refektorium wurden dann die vielfältigen Eindrücke des kurzweiligen Abends vertieft. Einhellige Erkenntnis: ganz oft wiederkommen und noch viel mehr Atmosphäre und Informationen aufsaugen! Nächste gute Gelegenheit: Die Domkonzerte in Königslutter vom 8. bis 22. September.
Beitrag von Andreas Mier  /  23. August 2013  /  Drucken  /  Fehler melden  /  Erschienen bei presseclub-braunschweig.de / © PresseClubBraunschweig